33: Martin Oetting über Marketing im Internet-Zeitalter

Das grundlegende Missverständnis, das nicht nur die Internet-Blase mitverursacht hat, sondern auch heute noch in den meisten Chef-Etagen wohnt, ist, das Internet wahlweise als Plakatfläche oder als Abwurfplatz für Versandhauskataloge zu begreifen. Vielmehr entsteht im Netz gerade ein eigener Kulturraum. Menschen richten sich in Blogs oder in Nachbarschaften wie Myspace und Facebook häuslich ein, fühlen sich dort ganz offensichtlich pudelwohl und unterhalten sich prächtig miteinander: nicht nur, aber auch über Produkte und Dienstleistungen.

Wie die Welt des Wirtschaftens sich in dieser Konversationssphäre wandelt, haben bereits im Jahre 1999 die vier Autoren des Cluetrain-Manifests (deutsch), (englisch) in provokativem Tonfall skizziert.

Martin Oetting versucht aus diesen Erkenntnissen Schlüsse für die Praxis zu ziehen und Wirtschaftslenker zum Umdenken zu animieren.

Links: Martin Oetting (Blog), trnd.com

9. July 2007 | Link | Versenden | Einbetten |
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Kommentare:

Zwei Punkte finde ich besonders gut: “Das Callcenter ist eigentlich ein Profitcenter”. Das stimmt genau überein mit dem Grundgedanken des Customer Lifetime Value. Der Kunde sollte schließlich die absolute Referenz für mein Produkt sein. Und ein Kunde dem geholfen wurde ist ein glücklicher Kunde. Ich selber kann sagen: Ein Unternehmen welches mit mir zusammen ein Problem gelöst hat bekommt sogar einen höheren Stellenwert als eines bei dem alles reibunglos geklappt hat, dank hohem Involment (so gewinnt auch wieder das Unternehmen).

Blogger nicht bezahlen, sondern Belohnen: “Lasst mich ein VIP sein”. Die Idee ist sehr schön, vor allem die Interna (Geschichten) sind ein Ansatz den ich so noch nicht kannte. Ein anderer wäre Involvement durch Betatesting: Aktive Blogger können von Vorserien berichten und so auch das Endprodukt positiv beeinflussen.

Doch das Denken im Marketing ist immer noch sehr starr. Ich denke erst die “Generation 2.0” in den Marketingabteilungen wird die Pfeile im “Sender => Message => Medium => Receiver”-Modell durch Doppelpfeile ersetzen.

-p-

Kommentar von Patrick T, geschrieben am 9.7.2007.

Also es gibt einen Fall in der Funkamateurszene, da hat sich ein grosser Hersteller von Plasma und LCD TV´s die Zeit genommen und zugehört.

Grund war das die Bildschirme ein enormes Störpotential im Kurzwellenbereich hatten.

Auf Anfrage des Käufers machten sich 2 Techniker bewaffnet mit Messgeräten zum Wohnsitz und analysierten den Grund der Störung und fanden heraus, das es sich dabei um 1 einziges Bauteil handelt, das nun in der kompletten Serie ersetzt wird.

Es gibt also schon Firmen die zuhören smile

Kommentar von Carsten W, geschrieben am 11.7.2007.

Ein großartiger Beitrag, der die Sache im Kern trifft. Sie haben einen neuen Stammleser.

Spannend sind in diesem ganzem Web 2.0 Diskussionen auch Verknüpfungen zu Vilém Flussers positiven Utopie der zukünftigen “telematischen Gesellschaft”, die die autoritären Sender überwindet (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Vilém_Flusser).

“Siggis letzte Worte” waren eindrucksvoll: Ein Zitat?

Kommentar von Markus L, geschrieben am 15.7.2007.

Jo. Ich mich. wink

Kommentar von Siggi, geschrieben am 15.7.2007.

sehr cool, wie gewohnt und wie gehabt bringt martin es auf den punkt. eine sache finde ich aber schon fast kurios, und zwar in deinem beitrag - “Vielmehr entsteht im Netz gerade ein eigener Kulturraum”—> entweder erkenne ich die ironie nur nicht, oder ich hab mich total verrannt, wenn ich der meinung war dass wenigstens in den letzten 13 jahren da schon was in sachen “kulturraum im internet” entstanden ist.

Kommentar von ami, geschrieben am 22.8.2007.

bla, bla, bla - pseudo Weisheiten auf dem Niveau eines BWL/Marketing Studenten im Hauptstudium.

Dass jeder Mitarbeiter Marketing/PR machen soll ist absolut illusorisch.

1. sind dafür nur ein bruchteil der Mitarbeiter qualifiziert (v.a. im industriegüterbereich - wie viele MA können komplexe Anlagen, Maschinen, Softwaresysteme etc. kompetent erklären?? wozu gäbe es Presales, Vertrieb und Consulting, die extra dafür geschult sind…)

2. wird ein großteil der mitarbeiter darauf keinen bock haben (sonst wären sie ins marketing gegangen) und

3. wäre der aufwand alle mitarbeiter zu schulen um zumindestens noch ein bischen corporate identity/one voice to the customer etc. hinzubekommen enorm.

FAZIT: unrealistische Tagträume eines Theoretikers…schonmal Praxisluft in einer Marketingabteilung geschnuppert???

P.s. Unsere Callcenter (und die von allen großen Konsumgüterherstellern) werden schon seit Jahren für die Kommunikation mit unseren Kunden verwendet. BILLIGER KANN MAN NICHT AUF FEHLER, KRITIK ODER NEUE ANREGUNGEN KOMMEN!! Das ist nun wirklich nichts neues…Woher haben Sie nur ihre Ideen??

Kommentar von Stephan P., geschrieben am 22.8.2007.

Hallo, haben Sie schon einmal etwas von Brand Communities gehört? Warum halten VW, Harley Davidson, Suzuki jährlich kostspielige Treffen ab? Um ihren Kunden zuzuhören! Warum gibt es das Maggi Kochstudio? Um zuzuhören und neue Ideen der Lead User mit in die Entwicklung neuer Produkte einzubringen. usw.

Die Popularität einiger Blogs lässt mich grundsätzlich an dem Wert der Inhalte der Blogsphäre zweifeln…

Kommentar von Jacek, geschrieben am 23.8.2007.

Oh, wir sollen nun unseren Kunden zuhören! Das ist uns aber neu! Ja, danke für den Hinweis!

Natürlich gibt es seit Anbeginn der Werbung Rückkanäle und Meinungsaufnahme der Kunden. Ja, wirklich, Telefon und Postkarten wurden auch schon genutzt.

Ich kann in diesem Beitrag leider keine neuen Erkenntnisse entdecken.

Kommentar von Hans P. K., geschrieben am 23.8.2007.

Für mich und viele anderen Kunden fehlt allerdings die Passivität und die tatsächliche individuelle Rückkopplung an den Kunden durch das Unternehmen. Sobald Kommunikation stattfindet wird analysiert und ein Massenprofil aus Einzeldaten erstellt, statt die eigentlich Kommunikation als Werbemittel zu nutzen.
Es kommt zu einer Datensammelwut und daraus erfolgt wiederum ein einseitiges Marketing.

Andererseits, wie ist langfristige Kommunikation, flexible Kommunikation zwischen einer losen Kundengruppe und einer festen Unternehmenstruktur wirklich realistisch? Ich lasse die Frage offen.

Kommentar von jlalphaville, geschrieben am 24.8.2007.

Was eigentlich selbstverständlich sein sollte und laut obenstehenden Kommentaren so offensichtlich zu sein scheint ist es aber nicht. Wie der Kommentar ‘jacek’ anmerkt macht z.B. VW Brand Communities. In Wirklichkeit wird hier aber nicht den Kunden zugehört, sondern die Entwickler machen ihr eigenes Ding. Die Ingenieure und Designer geben vor in Zusammenarbeit mit dem Controlling, der Vorstand segnet ab und gut ist es. Der Kunde spielt überhaupt keine Rolle. Dieses Vorgehen kenne ich aus zuverlässiger Quelle eines Automobilherstellers im tiefsten Süden Deutschlands, auch wenn es in der Aussendarstellung anders dargestellt wird. Ach, wir sind ja so kundenorientiert. Wir sind ja sooo toll. Quatsch, die Wirklichkeit sieht anders aus.

Kommentar von medienmensch, geschrieben am 15.9.2007.

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